Milch ist besser als ihr Ruf

Die neuesten Studien haben also nicht grundsätzlich an einem gesundheitsfördernden Effekt des Milchkonsums an sich gerüttelt. Vielmehr wurde das Trinken größerer Milchmengen im Erwachsenenalter als ineffektiv und wenig wirksam herausgestellt.

Die Verächter tierischer Lebensmittel lehnen Milch grundsätzlich ab. Das ist konsequent und auch nichts Neues. Dass sie auch immer wieder Milch und Milchprodukte verteufeln, gehört wohl teilweise zu ihrem Selbstverständnis. Überschritten wird das Selbstbestimmungsrecht jedes Verbrauchers aber dann, wenn er sich für den Verzehr von Milch und ihren Produkten rechtfertigen soll.

Toleranz und Achtung gehören auch in diesen Bereich menschlichen Zusammenlebens, Argumentation muss Propaganda ersetzen.

Nun hat kürzlich eine schwedische Studie neues Feuer in der Kuh-Milch-Diskussion entfacht, mehr noch, es wurden die gesundheitsfördernden Aspekte des Milchgenusses in Frage gestellt. Dabei geht es nicht darum, dass viele Menschen Kuh-Milch nicht vertragen, weil sie eine Laktose-Intoleranz haben oder gar gegen Milchprodukte allergisch sind. Das bisherige Hauptargument, Milch zu trinken und Milchprodukte zu essen, nämlich der hohe Kalzium-Gehalt, soll plötzlich negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Schaut man sich die Ergebnisse der Studie genauer an und liest dann die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen der Wissenschaft, so erscheint ein durchaus differenziertes Bild.

Danach ist Kuh-Milch als wichtiger Vitamin- und Kalzium-Lieferant für den Menschen unbestritten.

Kalzium ist für den Knochenaufbau und für die Knochendichte des Menschen extrem wichtig. Dies spielt aber vor allem im Kindes- und Wachstumsalter eine Rolle. In diesem Alter verträgt jeder Mensch Milch, egal ob sie nun von einer Kuh, einer Ziege oder einem Schaf kommt. Laktose, der Milchzucker, der in späteren Lebensjahren so vielen Menschen zu schaffen macht, ist in der frühen Kindheit sehr wichtig für die Reifung des Gehirns und für das Wachstum. Die hohe Konzentration an Vitaminen und Proteinen in der Kuh-Milch verringern nachweislich auch später Bluthochdruck und Diabetes.

Doch so gesund der Milch-Konsum in der Kindheit auch ist, im Erwachsenenalter taugt dieser Konsum so nicht zur Abwehr von Krankheiten. Erwachsene, die regelmäßig Milch trinken, brechen sich genauso häufig die Knochen wie Kuhmilch-Verweigerer und haben genauso häufig Osteoporose. Dieses Ergebnis gilt allerdings nur für den Milchkonsum als Getränk. Fermentierte Kuhmilch-Produkte wie Butter, Käse oder Joghurt sind davon nicht betroffen, sie haben weiterhin einen unbestritten guten Ruf bei der Osteoporose-Vorsorge.

Die neuesten Studien haben also nicht grundsätzlich an einem gesundheitsfördernden Effekt des Milchkonsums an sich gerüttelt.

Vielmehr wurde das Trinken größerer Milchmengen im Erwachsenenalter als ineffektiv und wenig wirksam herausgestellt. Zwei Drittel aller Menschen weltweit können den Milchzucker im Erwachsenenalter ohnehin nicht verdauen. Nur ein Drittel kann Kuhmilch pur trinken, ohne Nebenwirkungen befürchten zu müssen. Die bisher propagierten Mindestverzehr-Empfehlungen wurden demzufolge entsprechend nach unten korrigiert. Aber an dem positiven Gesundheits-Image der Kuh-Milch ist damit überhaupt nicht gerüttelt worden. Lediglich die Tatsache, besser Produkte zu konsumieren und die Milch nicht als Getränk zu nutzen, ist das Neue in der Kuh-Milch-Diskussion.

Unbestritten lassen sich auch alle nachgewiesen gesunden Inhaltsstoffe der Kuh-Milch-Produkte durch andere Ernährungsweisen gewinnen. Allerdings ist dann auch ein deutliches Mehr an Verzehr erforderlich, da die Konzentrationen an Kalzium, Vitamin B12, B2, B6 und hochwertigen Proteinen deutlich geringer ausfallen. Textquelle: Ralph Kaste