An St. Martin hält der Winter Einzug

Die zahlreichen Lampionumzüge lassen sich wohl ursprünglich auch aus der Kirchengeschichte herleiten. So werden regelmäßig vor hohen kirchlichen Festen schon immer sogenannte Lichterprozessionen durchgeführt.

Der 11. November wird in vielen Gegenden sehr aufwendig gestaltet. Im Vordergrund stehen dabei der Beginn der fünften Jahreszeit oder aber auch der Martinstag.

Beides ist eng miteinander verwoben, die Bräuche driften dennoch in vielen Teilen des Landes auseinander. Die rheinischen Frohnaturen starten pünktlich um 11.11 Uhr ihre neue Session, in anderen Gegenden sind Laternenumzüge, Martinsfeuer und ein üppiges Festmahl angesagt. Bei den einen steht somit die Ausgelassenheit des Feierns im Vordergrund, die anderen lassen es sich andächtig gutgehen.

Erklärungen für den Zusammenfall beider Ereignisse gibt es viele, am verständlichsten ist der Bezug zur Fastenzeit.

In früheren Jahrhunderten gab es zwei Zeiten des Fastens: Im Frühjahr und im Winter. Die Frühjahrs-Fastenzeit beginnt bekanntlich am Aschermittwoch und dauert bis Ostern. Die Tage vorher werden ausgelassen gefeiert, weil dann sechs Wochen Zurückhaltung angesagt ist. Die Winter-Fastenzeit begann in vergangenen Jahrhunderten nach dem 11. November und dauerte bis Weihnachten. Deshalb wurde auch dieser Tag zur Ausgelassenheit genutzt, nur eben auf verschiedene Art und Weise.

Zurück geht das Ganze auf den heiligen St. Martin, der an einem 11. November beerdigt wurde. 

Dieser soll vor seiner Wahl zum Bischof von Tours so beschämt über die Ehre gewesen sein, dass er sich in einem Gänsestall versteckte. Die Tiere veranstalteten daraufhin so ein Spektakel, dass man ihn dort fand und zur Bischofswahl bringen konnte. Wohl eine der Erklärungen dafür, dass die Martinsgans an diesem Tag auf viele Tische gehört.
Das Datum nutzte man später auch, um das Erntejahr offiziell zu beenden und mit verschiedenen Ritualen den kommenden Winter zu empfangen. Dazu gehören natürlich viele Lichter und ein üppiges Festmahl, um die Fastenzeit auch zu überstehen. 

In vielen Gegenden ersetzt man die traditionelle Gans auch durch Martinsschweine, die für diesen Anlass gefüttert und feierlich geschlachtet werden.

Nicht fehlen darf das Martinsgebäck, entweder in Form spezieller Brote oder auch als Matinshörnli. Als Abrundung kommt bis heute noch ein Martinstrunk mit auf den Tisch, die sogenannte Minne. Das ist immer der erste Wein des Jahres, für alle diejenigen, die es genau nehmen wollen mit dem Brauchtum an St. Martin.
Die zahlreichen Lampionumzüge lassen sich wohl ursprünglich auch aus der Kirchengeschichte herleiten. So werden regelmäßig vor hohen kirchlichen Festen schon immer sogenannte Lichterprozessionen durchgeführt. Die Martinsfeuer hingegen gehen wohl auf germanische Kulte zurück und wurden ganz einfach mit dem Fest verbunden. Ähnliches ist vom Osterfeuer bekannt.
Die Kirche ist seit langem der Ansicht, dass die Geschichte vom heiligen Martin eine universelle Botschaft der Solidarität und Nächstenliebe hat. Die zunehmende Kommerzialisierung solcher Feste wird allerdings kritisch gesehen, da Ursprung und Botschaft vielfach nur eine Hintergrund-Rolle spielen. Textquelle: Ralph Kaste

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