Geheimnisvolle Grüne Fee – Absinth 

Wie immer macht die Dosis das Gift.

Es gilt als das gefährlichste aller Getränke – Absinth.

Die Horrorgeschichten des 19. Jahrhunderts sollen dafür als Beleg gelten. Haben sich doch damals vor allem Künstler und Intellektuelle mit Absinth berauscht, um ihrer Kreativität einen Extraschub zu geben. Der Maler Vincent van Gogh soll sich dann im Absinth-Wahn gar ein Ohr abgeschnitten haben. Andere Beispiele klingen noch grausamer. Daraufhin wurde das Kultgetränk verboten, was natürlich seinen Ruf noch weiter verklärte. Heute ist die Grüne Fee, wie Absinth unter Kennern genannt wird, wieder in vielen Bars zu finden. Die Schar seiner Liebhaber wächst. Doch was ist dran am Ruf des Getränks?

Ist Absinth heute weniger gefährlich?

Absinth ist eine Kräuter-Spirituose, die, wie viele andere Getränke auf Kräuterbasis auch, Heilzwecken dienen sollte. Hauptbestandteil bei seiner Herstellung ist Wermut. Durch Destillation wird aus den getrockneten Blüten und Spitzen der Wermutpflanze das dunkelgrüne, extrem bitter schmeckende Wermutöl gewonnen. Dazu werden Extrakte des Fenchel, des Ysop, der Melisse und des Anis gegeben. Dieses Gemisch wird in hochprozentigem Alkohol gelöst.

Die markant grüne Farbe ist auf das Chlorophyll der einzelnen Kräuterzusätze zurückzuführen, besonders auf Ysop. 

Da Absinth aber nicht gleich Absinth ist, finden sich vielfach auch noch weitere Kräutervariationen, so beispielsweise mit Minze, Kalmus, Engelswurz, Wacholder, Koriander, Muskat und Veronica. Die Kombination aus Wermut, Anis und Fenchel ist dabei die Basis des Absinth. Die anderen Kräuter und Gewürze runden den jeweiligen Geschmack lediglich ab. Das Destillat aller Inhaltsstoffe enthält zwischen fünfzig und siebzig Prozent Alkohol und wird im Verhältnis eins zu fünf oder eins zu sechs mit Wasser verdünnt.

Das Trinken des Absinth ist eine aufwendige Zeremonie.

Vermutlich hat das ursprünglich den Reiz des Getränks ausgemacht. In ein spezielles Absinth-Glas werden etwa 2 cl Absinth gegeben. Auf einen mit Löchern versehenen Absinth-Löffel legt man dann ein oder zwei Stück Würfelzucker. Das Ganze wird über das Glas gehalten und langsam mit eiskaltem Wasser übergossen. Wasser und aufgelöster Zucker tropfen so langsam in den Absinth. Andere hingegen tränken den Würfelzucker mit Absinth, zünden ihn an und lassen den karamellisierten Zucker ins Glas tropfen. Schließlich gießt man bei beiden Ritualen eisgekühltes Wasser bis zur individuell gewünschten Verdünnung hinzu. Dabei werden die nicht löslichen Inhaltsstoffe des Absinth ausgefällt. Vor allem dem Anis ist es zuzuschreiben, das dabei eine Trübung entsteht.

Ähnliches kennt man vom Ouzo und vom Raki.

Nach diversen rauschbeladenen Exzessen im 19. Jahrhundert ging man davon aus, dass der im Wermut enthaltene Bitterstoff Thujon wie eine Droge wirkt. Das gilt heute als widerlegt. Denn der Gehalt des Nervengiftes Thujon ist in der Regel so gering, dass nur ein exzessiver Trinker dessen Einfluss spüren könnte. Dazu müssten dann aber mehr als drei Liter Absinth hintereinander getrunken werden, was bereits wegen der enthaltenen Alkoholmenge absolut tödlich wäre. Der Alkoholgehalt des Absinth ist durchaus beachtlich. Je nach Produkt schwankt er zwischen 55 und 85 Volumenprozent. Genuss und Wahnsinn liegen also durchaus eng beieinander. Wie immer macht die Dosis das Gift. Textquelle: Ralph Kaste